WIND-INSTALLATIONEN / Texte

Jaschi Klein - Fotokünstlerin
Installationen im Außenraum

In den 5m hohen Installationen beziehen sich bewegliche Objekte auf die Elemente Wind und Licht. Sie werden in Landschaften integriert, deren Charakter nichts aussagt über Zeit und Kultur,sodass die Objekte ihre pure Aussage entfalten können.
Die Aufbauten, eigene Architekturen, scheinen kosmische Klänge eingefangen zu haben Gleichzeitig werden meteorologische Phänomene deutlich Die Installationen haben temporären Charakter in der Landschaft. Sie erscheinen und verschwinden wieder. Die Aktion ist ausgerichtet auf das Endergebnis Bild.

Jaschi Klein

Es ist für mich eine große Freude, das neue Werk von Jaschi Klein einzuführen. Ich tue es als jemand, der nicht selbst künstlerisch tätig ist, sondern als jemand, der Kunst empfindet. Als Klimawissenschaftler habe ich tagtäglich mit den Elementen zu tun, mit der Sonne, dem VWnd und dem Wasser. Und genau das verbindet mich mit Jaschi Klein und ihren Bildern. Auch Jaschi Klein widmet sich den Elementen, nur eben auf einer ganz anderen Ebene. Auf einer Ebene, die in der Wissenschaft scheinbar keinen Platz mehr zu haben scheint. Trotzdem bleibt die Sehnsucht des Wissenschaftlers nach ihr. Ich möchte Ihnen liebe Leserinnen und Leser, liebe Betrachterinnen und Betrachter, meine Eindrücke schildern, die ich von der Bildern gewonnen habe, während ich Jaschi Klein bei ihrer Arbeit begleiten durfte.

Die einzelnen Elemente der Installationen von Jaschi Klein sind vordergründig klar und rational, ja sie haben tatsächlich eine Nähe zur Wissenschaft. Es handelt sich beispielsweise um Dreiecke, Kreise oder Vierecke, oder auch um Segel, Formen denen man sich häufig in der Wissenschaft bedient, Selbst ein Ensemble bestehend aus diesen einzelnen Elementen wirkt immer noch auf eine bestimmte Art und Weise ohne Leben, irgendwie zu sehr geordnet. Erst die Elemente erwecken das Ensemble zum Leben und eröffnen den Blick in eine andere Welt. In dieser regieren Ordnung und Unordnung zugleich, Stille und Unruhe, Licht und Schatten, Trockenheit und Nässe. Die Schwarzweißfotografie verstärkt die Gegensatze, kann sie aber auch in weiches Tuch hüllen, durch welches die Gegensätze scheinbar verschwinden. Die Reflektionen und Projektionen zeigen neue Dimensionen auf. Jaschi Klein hat in ihren Biidern den Augenblick festgehalten, der besonders ist. Auf welche Art und Weise muss der Betrachter selbst herausfinden. Die Bilder erzählen Geschichten, und man muss sich die Zeit nehmen, sie zu entwickeln. 

Mir sind sehr viele Assoziationen beim Betrachten der Bilder durch den Kopf gegangen. Ein Bild aus der Serie der Vlfindzeichen erinnert mich an Gruppen von Menschen, deren Mitglieder ohne es zu wissen, eng miteinander verflochten und als Individuum kaum identifizierbar sind, so als es sich um eine Stadt handele. Die starke Vernetzung wird erst durch die Spiegelung im Wasser sichtbar. Trotzdem wirkt die Szenerie eigenartig gefühlslos. Andere Bilder zeigen weniger Vernetzung, man entdeckt eine gewisse Sprachlosigkeit. 

Und wieder andere vermitteln eine gewisse Einsamkeit, wenn etwa eine kleine Gruppe sich den Elementen ausgesetzt sieht. 
Die Windpferde und Windblumen zeigen mehr Dynamik, weil sie teilweise aus Stoff bestehen und daher beweglicher sind Bei den Windpferden kommen mir Flucht und Rast in den Sinn. Aber wohin streben die Windpferde? Und vor was flüchten sie? Ich weiß es nicht. Für mich wirkt die Flucht aussichtslos, wegen der die Windpferde umgebenden Weiter Das Meer und der Himmel sind praktisch unendlich. Auch hier kann ich mich dem Vergleich mit uns Menschen und der Hektik des Alltags nicht entziehen. Ist unsere Geschäfiigkeit eine Art Flucht?

Die Windblumen recken sich in den Himmel. Sie sind für mich der Inbegriff der Freiheit. So zeigt das Bild mit den drei Pfahlreihen, dass man Natur nicht einsperren kann. Die Windblumen biegen sich im Wind und überwinden scheinbar mühelos die Pfahlreihen. Blumen kennen keine Grenzen, auch wenn der Mensch versucht, ihnen Grenzen zu setzen. Die Pollen können schließlich vom Wind über viele Kilometer hinweg verfrachtet werden. Und Pflanzen sprengen sogar Beton, wie wir wissen. Hin und wieder wirken die Windblumen gar nicht wie Blumen sondern abhängig vom Hintergrund wie Vögel oder Wolken. Auf einem Bild sehe ich eine Gymnastikgruppe vor mir. Es strahlt eine gewisse Leichtigkeit aus, ja sogar etwas Graziles. Und vor einer großen Düne scheinen die Windblumen jemanden anzubeten, aber wen? Diese wenigen Worte sollen Sie neugierig machen, auf das, was Jaschi Klein in ihren Fotografien festgehalten hat und Ihnen in dem vorliegenden Buch präsentiert. Finden Sie die Antworten auf die vielen Fragen, die Ihnen die Bilder stellen. Mich hat die Begegnung mit Jaschi Klein und Ihren Bildern sehr inspiriert. Vlfir arbeiten beide im gleichen Metier, nur mit verschiedenen Methoden. Für mich persönlich ist das Werk Jaschi Kleins auch so etwas wie die Reflektion der WIssenschaft in der Kunst. Ich wünsche Ihnen viel Gewinn beim Betrachten der Bilder und persönlich alles Gute.

Kiel, d. 22.06.2010
Prof. Dr. Mojib Latif (Klimaforscher)