KONFERENZEN / Texte

Hubertus von Amelunxen (Auszüge)

Jaschi Kleins Konferenzen sind Akte der Balance, immer schon ist sie eine Funambule der Fotografie gewesen, eigenartigen Ausdrucks jenseits der klassischen Formen und Stile. Eine Funambule ist sie, weil sie den Prozess der Fotografie selbst als einen Drahtseilakt begreift. Sie inszeniert ein Stück ungewissen Ausgangs. Gebaute Elemente- ob Stuhl, Tisch, Mast oder Baum — werden wie nach einer Partitur im Raum zu einer Konstellation von sowohl Zufall wie Ordnung verteilt. Kein fotografischer Trick, kein digitales Wischen und Versetzen durch ein Bildbearbeitungsprogramm, sondern räumliche, zeitliche und menschliche Fügung schreiben an dieser Partitur. Jaschi Kleins Inszenierungen sind Choreographien, die keinen Raum abbilden, sondern in der Ebene und mit der Fotografie einen neuen Raum schaffen.

Verstreut und doch in der Mitte steht bei ihr der Mensch, hier souverän Tisch und Stuhl mit Hand und Kopf balancierend, dort mit dem Segel auf dem Rücken unterwegs zwischen Horizontale und Vertikale. Alles ist in diesen Bildern bedeutend, alles ist von eigener Hand entworfen und konstruiert. Diese Inszenierungen sind Allegorien von möglichen Begegnungen. Der ganze Raum steht in Erwartung. Diese Geste der Verteilung ist es, mit der Jaschi Klein die Balance erwirkt zwischen Erscheinen und Verschwinden, Fort und Da, Gegenwart und Abwesenheit. Das fotografische Faktum, schrieb einmal Salvador Dali, sei der „sicherste Träger der Poesie" und der geschickteste Vorgang, um die feinsten Wechselwirkungen einzufangen, die sich zwischen Realität und Surrealität ergeben".